DAS GABILLONHAUS IM WANDEL DER ZEIT 

GABILLONHAUS

Das Gabillonhaus, benannt nach seinen Erbauern, dem Burgschauspieler-Ehepaar Ludwig und Zerline Gabillon und über 100 Jahre im Familienbesitz, sollte wiederum an einen klassischen Vertreter des Burgtheaters kommen, auf dass Kultur weitergetragen würde. So kam es an Romuald Pekny. Mit der Übernahme des Gabillonerbes entsteht der Entschluss dieses Privathaus am See für Kultur zu öffnen. Der damalige Landeshauptmann Dr. Josef Krainer hat uns den Weggewiesen: “Öffnet das Haus und sendet eure kulturellen Impulse aus. Ihr seid die richtigen Leute dazu." So war der Auftrag klar, dass man so einen einmaligen Ort nicht unter Verschluss hält, indem man ihn umzäunt und die anderen draußen lässt. Getan wie gedacht. Wir ließen die Stube von Sepp Amon (nun schon viele Jahre Grundlseer Bürgermeister) durchsägen, und so entstand unser Sälchen, in dem sich inzwischen vieles ereignet hat. 

Wir hatten dezidierte Pläne: Von diesem traditionsreichen Haus sollen Impulse ausgehen. So gründen Adelheid Picha, Dr. Ingrid Wancura (Akupunkturärztin, sie war damals die erste , die in  China ihre Ausbildung machte) und Eva Petrus-Pekny 1987 die A-KU, Gesellschaft für wissenschaftliche, kulturelle und philosophische Veranstaltungen. Wir wollen AK(K)U-mulieren, wollen ganz dezidierte Impulse weitergeben. Deshalb ist das Motto von der ersten Stunde an: Wir sind ein Impuls. 

Der Ausseer Kultursommer findet alljährlich in den Sommermonaten Juli, August statt. Es geht immer, nun schon 15 Jahre, ums gleiche. Natürlich in jeweils anderem Gewande. Die Urfrage: Woher kommen wir, wohin gehen wir und was tun wir auf Erden? Ja, was? Achten wir die Schöpfung, die Natur, ehren wir den Schöpfer, respektieren wir den Menschen und die seiner Kultur gemäßen Werte? (Kunst +Religion) Wie lösen wir die soziale Frage? Arm und reich, Erziehung, feinfühlige Krankenpflege, in Würde altern? Schwierige Themen, heiße Eisen, die wir anfassen. Günther Nenning sagt es trefflich in einem Satz: “Vorwärts zum Menschen zurück³. 

Es gelingt uns gute, manchmal die besten Leute zu holen, namhafte Wissenschafter, Künstler, Ökologen, Philosophen und Theologen von Rang. Zu den Themen Umwelt, Pädagogik, Philosophie, Psychologie sowie Medizin, speziell kindgemäße Naturheilverfahren. Es gelingt den Leiter der Münchner Naturheilklinik  sowie den berühmten homöopathischen Berater der Münchner Kinderklinik, Dr. Michael Stellmann zu gewinnen, Erwin Ringel war uns Freund und Berater, seine differenzierte, vielgefächerte Psychologie setzt uns weiter entscheidende Maßstäbe, Günther Nenning begleitet uns alljährlich und hoffentlich noch lange, ebenso kommt gerne der namhafte Berliner Philosoph Jochen Kirchhoff, der die Zeichen der Zeit von den Wurzeln her plausibel aufschlüsselt, sowie der  vielseitige und profunde Herbert Zeman, auch der Außenseiter-Experte Roland Girtler, ... 

Der AKU gehts um Aufklärung: Dass Kultur beim ganz gewöhnlichen Alltags- und Familienleben anfängt. Beim Pflanzen und Bauen, beim Schauen und Verweilen,  beim Essen und Trinken, Singen und Tanzen. Deshalb alle Jahre einen Mal- und Tanzkurs + Volkslieder am Abend.  Die Literatur in ihren Facetten ist sozusagen die Draufgabe. Auf spezielle Weise werden Dichter,Komponisten, Literaten... des Ausseer Landes, oder die diesem nahe stehen, ausgesucht und ins Programm aufgenommen. Selbstverständlich werden die Jubiläen von Dichtern und Denkern auf unverwechselbare Weise wahrgenommen, wie  z.B. in den letzten Jahren Goethe, Rilke, Brecht, Musil, heuer Stelzhamer. Auch unbekannte junge Künstlerinnen  und Künstler kommen dran und werden oft zum ersten Mal mit Erfolg einem Publikum präsentiert. Auf diese Weise wird auch der künstlerische Nachwuchs gepflegt. 

Großartige Programme gibt es anderswo auch, um nicht zu sagen allüberall. Allerdings nicht in der unverwechselbar dichten  Atmosphäre des Gabillonhauses. An diesem Spielort verdichtet sich alles. Das empfindet jeder, der hier einen Abend erlebt hat. Deswegen gibt es auch eine stattliche  Anzahl von Getreuen, die alljährlich wiederkehren. Unser Publikum kommt aus Wien, Graz, Oberösterreich, Salzburg und nicht zuletzt aus Bayern. Und natürlich die Einheimischen.

 

Wer gehört zur AKU-Truppe?

Adelheid Picha bringt von Anfang an ihre ungeteilte Persönlichkeit und Arbeitskraft  ein. Natürlich Romuald Pekny mit Einsatz seiner großen künstlerischen Persönlichkeit, Eva Petrus-Pekny, Urmutter Erda, Ideengeberin, Gestalterin, Johannes Daxner, musikalischer Leiter, Dramaturg, literarischer Mitgestalter,  Klavier-, Harmonium-und Orgelspieler, Ekki Müller, der gestrenge Professor für Germanistik und Bohèmien, Rezitator und Maler. Und nicht zuletzt Sonja Fitz, die das Hauswesen im Griff hat, Küche und Keller verwaltet, mit feinfühliger Psychologie die aufgeregten Gemüter beruhigt und das Gesellschaftsleben lenkt. Die klassische Hausdame. 

Während des Kultursommers beginnt der Morgen am Grundlsee mit einer Einstimmung, Laudes, Probenplan und Speiseplan. Wer probt was und wo? Hinterm Haus, vorm Haus, im Sälchen, auf der Terrasse, im Probenzimmer? Wer geht einkaufen, was wird gekocht? Denn die gemeinsamen Mahlzeiten sind wesentliche Ruhepausen, werden manchmal köstliche Feste. Gekocht wird Mittag wie Abend. Karg oder opulent, aber immer gabillonisch, nie fad. Über die überlieferte Maikäfersuppe der Zerline Gabillon haben wir uns noch nicht drübergetraut. Alle Mitwirkenden werden täglich im Gabillonhaus verköstigt. Die Küche ist, man darf es sagen, dem Orte gemäß, exzellent. Das schulden wir 

- dem exklusiven Ort

- dem Programmpunkt: Kultur ist Leben, Essen und Trinken,

- und nicht zuletzt den Künstlern, für die gute Verpflegung oft die einzige Gage ist.  

Der Sommer fordert die ganze Kraft aller Beteiligten. Man darf nicht vergessen, das Gabillonhaus ist ja nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch Wohnort der AKU-Crew und auch Arbeits - und Vorbereitungsort, Schlachtfeld für spannende Arbeit, lange Proben, wenn sich ein Abend vorbereitet. Jede Veranstaltung wird mit kompromisslosem Einsatz vorbereitet, als ging es um die Premiere in einem großen Theater. Für uns ist da kein Unterschied. Jeder AKU- Abend im Gabillonhaus ist in diesem Sinn eine Uraufführung, erdacht, erarbeitet für diesen einen Abend, es folgt kein zweiter. Wer das zum ersten Mal miterlebt, spürt diese einmalige Präsenz: Jetzt, hier, heute. Keine Wiederholung, nix Verbrauchtes. Lieber eine kuriose Verbindung von Künstlern und Laien, die bei akribischer Arbeit eine reizvolle Mischung ergibt.

So war schon vor vielen Jahren Günther Nenning der Kaiser im - nein, nicht im “Weissen Rössl am Wolfgangsee³, sondern im “Schwarzen Rössl am Grundlsee³, aus dem dann nach Textmetamorphosen das legendäre “Cibra-Zebra am Grundlsee³ entstand. Adelheid Picha - eine unvergessliche Rößlwirtin. An ihrer Seite der liebenswerte Leopold von Günter Rainer, Theaterstar von Linz. Der Sigismund springt mit seinem Klärchen in den Grundlsee.  Der Daxner am Klavier. Es steht am Ufer unter der Terrasse.  Gemeinsam haben es uns die Bauern aus dem Gaiswinkl dorthin getragen.

Im Gabillonhaus bekommst du überraschende Mixturen serviert. Erprobt Klassisches gespritzt mit literarischer Aktualität. Die Zauberwelt des unvergleichlichen Raimund kriegst ebenso wie den gesellschaftskritischen Witz des herrlichen Nestroy, eine zauberische Operettenmelange zwischen Gesang und Spiel ebenso wie die Wagnerische Götterwelt in heutiger Brisanz. So wild wie zart, bitter wie süß, du erlebst es in unserem kleinen Sälchen am Grundlsee.

 

Goethe sagt es treffend:

“So  schreitet in dem engen Bretterhaus

Den ganzen Kreis der Schöpfung aus,

Und wandelt mit bedächtiger Schnelle,

Vom Himmel durch die Welt zur Hölle."

 

Wir laden euch in das gabillonische Bretterhaus am See mit unserem Motto:

“Schläft ein Lied in allen Dingen,

die da träumen fort und fort,

und die Welt hebt an zu singen,

triffst du nur das Zauberwort."                              Eichendorff

 

Möge die AKU es noch oft treffen, dieses Zauberwort. 


© Die Arche am Grundsee